Bitte sichert mich: ICH BRAUCHE HALSBAND UND SICHERHEITSGESCHIRR
Ich kenne deine Welt hier noch gar nicht. Alles ist für mich fremd und macht mir Angst. Jedes Geräusch ist neu für mich und kann mich furchtbar erschrecken. Du musst mein Vertrauen erst langsam erringen und aufbauen. Bis dahin musst du sicherstellen, dass ich nicht aus Panik einfach weglaufen kann, denn dies ist mein Instinkt, wenn ich mich erschrecke. Dabei kann ich ein wahrer Entfesselungskünstler sein und ein einfaches Geschirr oder Halsband reicht als Sicherung dann nicht mehr aus.
Es gibt spezielle Geschirre, die man Panikgeschirre nennt, aus denen ich nicht entwischen kann. Ich tragen solch ein ausbruchsicheres Geschirr, wenn ich aus Rumänien zu dir komme und auch ein Halsband. Die Leinen, immer 2 Stück, wird ein am Halsband und eine am Geschirr festgemacht, so ist es nicht möglich, dass ich aus Panik weglaufen kann. Über das Halsband werde ich geführt und über das Geschirr gehalten.
Gerade in den ersten Monaten ist dringend zu empfehlen, keine Rollleinen (Flexileinen) zu benutzen. Fällt solch eine Leine einem aus der Hand, dann ist es für einen ängstlichen Hund bzw. Angsthund der absolute Super-Gau. Ohnehin schon panisch, durch die vielen Eindrücke, scheppert jetzt noch dieses Ding hinter ihm her. Sollte sich die Leine verfangen und der Hund wird gefunden, ist das Ganze noch glimpflich ausgegangen, allerdings definitiv zum Nachteil der Gassi-geh Erfahrung und dem zwingend notwendigen Vertrauen, welches sich eigentlich schnellstmöglich aufbauen sollte. Verfängt sich die Leine an uneinnehmbaren Stellen oder gar im Wald, ist so manche Suche erfolglos und der Hund bleibt verschwunden.
Leider passiert es fast täglich, dass ängstliche Hunde, gerade im neuen Zuhause angekommen, dort entwischen und dann orientierungslos durch die Gegend irren. Einfangen ist dann stets sehr schwierig und oft genug endet es auch tragisch, weil diese Hunde in ihrer Panik auch vor rollenden Autos oder Zügen keinen Halt machen.
Dies sind keine erfunden Horrorszenarien, um zukünftige Adoptanten und Pflegestellen zu schocken und auch ist nicht jeder Hund ein Angsthund. Dennoch können Sie davon ausgehen, dass auch gerade viele Junghunde noch nie ein Auto gesehen haben oder mehr als zwei Personen gleichzeitig um sich hatten, da sie ausschließlich der Umgebung im Shelter ausgesetzt waren.
Der Fluchtinstinkt ist bei vielen recht ausgeprägt, wenn es um neue Situationen geht. Dazu zählen viele Ereignisse, die gänzlich unbekannt sind, wie zum Beispiel der Transport der Hunde, Auto fahren, Spaziergänge oder auch ganz einfache Dinge, wie das Zeigen von Zuneigung durch Streicheln oder Kuscheln.
Um bestens auf den Instinkt des Hundes vorbereitet zu sein, ist es einfach unerlässlich, dass man die Sicherung der Hunde wirklich ernst nimmt. Dazu gehört ebenfalls, Fluchtmöglichkeiten zu minimieren, durch das Verschließen von Fenstern und Türen in der Kennenlernphase, oder dass der Hund auch gesichert ist, wenn man mal eben zur Mülltonne geht und dann nicht etwa die Tür offenstehen lässt.
Stellen Sie sich auch die Frage: Ist mein Garten oder Balkon denn wirklich sicher? Gibt es Gefahrenquellen, die ich reduzieren kann und auch sollte?
Bitte nehmen Sie diese Hinweise sehr ernst, nicht alle Hunde sind schon nach sechs Wochen bereit für die große weite Welt, die Sie ihnen bieten möchten.
Wir empfehlen Ihnen, sich auch nochmals über den Gebrauch von Schleppleinen zu informieren, diese sind einem Freilauf nach ein paar Wochen auf jeden Fall vorzuziehen, um den Hunden mehr Freiraum zu geben und das Verhalten noch besser einschätzen zu können.
Wir freuen uns, dass Sie sich für einen Hund aus dem Tierschutz entschieden haben und hoffen, dass Sie sich mit diesem Schreiben nicht zu sehr reglementiert fühlen. Wir sind der Meinung, dass Sie ihrem neuen Weggefährten eine wunderbare Zukunft bieten können, deswegen halten Sie dieses Formular in den Händen und möchten Sie bestens auf die nächsten Wochen vorbereiten.
Mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie, dass Sie telefonisch oder durch die Pflegestelle ausreichend aufgeklärt wurden und sich bestens informiert fühlen.
Darüber hinaus bestätigen Sie, dass der Hund, welcher durch Sie übernommen wird, für mindestens sechs Wochen doppelt zu sichern ist.